Vier Tage arbeiten bei vollem Gehalt: Österreich diskutiert wieder über die kürzere Arbeitswoche
Gewerkschaften fordern in Österreich eine kürzere Arbeitswoche bei vollem Gehalt. Arbeitgeber warnen vor höheren Kosten und fehlenden Fachkräften.

Österreich diskutiert erneut über eine kürzere Arbeitswoche bei vollem Gehalt. Im Mittelpunkt steht die Forderung, die tatsächliche Wochenarbeitszeit zu reduzieren und nicht lediglich dieselbe Stundenzahl auf vier längere Arbeitstage zu verteilen.
Gewerkschaftsvertreter aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein haben die Debatte bei einem Treffen des Interregionalen Gewerkschaftsrats Bodensee in Bregenz neu angestoßen. Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz hätten die Produktivität erhöht, während sich die gesetzliche Normalarbeitszeit seit Jahrzehnten kaum verändert habe.
Wie lange ist die Arbeitswoche in Österreich
Die gesetzliche Normalarbeitszeit beträgt in Österreich acht Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich. Viele Kollektivverträge sehen bereits 38 oder 38,5 Stunden vor. Die letzte große gesetzliche Verkürzung erfolgte zwischen 1970 und 1975, als die Wochenarbeitszeit schrittweise von 45 auf 40 Stunden sank.
Die aktuelle Forderung geht über eine bloße Vier Tage Woche hinaus. Ein solcher Arbeitsplan ist bereits möglich, wenn die vereinbarte Wochenarbeitszeit auf vier längere Tage verteilt wird. Die Gewerkschaften verlangen dagegen weniger Gesamtstunden bei unverändertem Monatsgehalt.
Warum Gewerkschaften 35 Stunden bei vollem Gehalt fordern

Befürworter argumentieren, dass technischer Fortschritt mehr Leistung pro Arbeitsstunde ermöglicht. Gleichzeitig seien Arbeitsintensität, psychische Belastung und die Erreichbarkeit außerhalb der regulären Arbeitszeit gestiegen.
Eine kürzere Arbeitswoche könnte mehr Zeit für Erholung und Familie schaffen, gesundheitliche Belastungen senken und schwer zu besetzende Berufe attraktiver machen. Der ÖGB verweist außerdem darauf, dass viele Teilzeitbeschäftigte gerne mehr Stunden arbeiten würden. Würden 35 Stunden als neue Vollzeit gelten, könnte Arbeit anders verteilt werden, ohne dass das gesamte Arbeitsvolumen zwingend sinkt.
Arbeitgeber warnen vor Kosten und Personalengpässen

Wirtschaft und Industrie lehnen eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich ab. Gleicher Lohn für weniger Stunden erhöht den Kostenaufwand je Arbeitsstunde. Das Modell funktioniert aus Sicht der Unternehmen nur, wenn die Produktivität entsprechend steigt oder zusätzliches Personal verfügbar ist.
Besonders schwierig ist die Umsetzung in Krankenhäusern, Hotels, Restaurants, Produktionsbetrieben und auf Baustellen, wo Leistungen dauerhaft abgedeckt werden müssen. Österreich führt derzeit weder die Vier Tage Woche noch die 35 Stunden Woche als allgemeinen gesetzlichen Standard ein. Die Rechtsgrundlage bleibt bei 40 Wochenstunden, wobei Kollektivverträge kürzere Zeiten vorsehen können. Die Debatte über vier Tage Arbeit bei gleichem Gehalt ist damit politisch offen, aber noch keine beschlossene Reform.
GlobalTalent24 untersucht die Zukunft der Arbeitszeit
Das GlobalTalent24 Team untersucht, welche Folgen eine kürzere Arbeitswoche für Beschäftigte, Unternehmen und den Arbeitsmarkt in Österreich sowie in den weiteren Ländern haben könnte, in denen GlobalTalent24 vertreten ist. Im Mittelpunkt stehen Löhne, Produktivität, Teilzeitbeschäftigung, Fachkräftemangel und die Perspektiven von Menschen, die im Ausland arbeiten oder einen solchen Schritt planen.
In weiteren Analysen vergleichen wir gesetzliche Regelungen, Kollektivverträge und praktische Erfahrungen von Unternehmen in verschiedenen Ländern. Dabei zeigen wir, wo die Vier Tage Woche tatsächlich weniger Arbeitsstunden bei gleichem Gehalt bedeutet und wo lediglich die bestehende Arbeitszeit anders verteilt wird.
Offizielle Quellen
Rechtsinformationssystem des Bundes: Arbeitszeitgesetz
Arbeiterkammer Österreich: Normalarbeitszeit
Arbeiterkammer Österreich: Eine Vollzeit für das 21. Jahrhundert


